Nach seiner ersten Vorstellung zu urteilen, hätte niemand ahnen können, dass das fette, nervöse und schweißgebadete Schweinchen Dick einer der ersten großen Stars von Warner Bros. Cartoons werden würde. Aber als das Schweinchen stockend The Midnight Ride of Paul Revere aufsagt (das mitten in der Strophe zu The Charge of the Last Brigade übergeht), rettet seine liebenswerte, fast todesmutige Beharrlichkeit die Show. Diese Eigenschaft wird dem Schweinchen in Laufe seiner Karriere noch oft zu Gute kommen.
Mit einer einzigen Nebenrolle wurde das Schweinchen zum Star.
Ursprünglich sollte Schweinchen Dick eine kleine, chaotische Katze namens Beans zur Seite gestellt werden, aber dieser Plan wurde verworfen, als Leute wie Tex Avery, Bob Clampett und Frank Tashlin damit begannen, Schweinchen Dick in ihre Filme einzubauen und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Schweinchen Dick war das Allzweckschwein des jungen Filmstudios, und die Zuschauer schlossen es sofort ins Herz.
In Friz Frelengs erfolgreichem Cartoon "Ich habe keinen Hut" hob sich Schweinchen Dick sofort von der Masse der anderen Filmfiguren ab. In den Anfangsjahren trat das liebenswerte, stotternde Schwein (anfänglich gesprochen vom tatsächlich stotternden Joe Dougherty, danach von Mel Blanc) in der Regel mit unbekannten Figuren auf, deren Kurzzeitpräsenz zur Profilierung von Schweinchen Dick beitrug und ihm dazu verhalf, zum wichtigsten Star bei Warner Bros. zu werden.
Im Gegensatz zu den anderen Figuren von Warner Bros., die auf Gewalt und Geschwindigkeit setzten, hielt sich Schweinchen Dick immer an den Grundsatz, Hirn statt Muskeln zu gebrauchen. In Ein Schweinchen in der Falle macht es sich eine Mäusesippe in Schweinchen Dicks Haus bequem. Die Lösung: Schweinchen Dick legt sich Katzen zu. Als diese dann selbst zum Problem werden, kauft das Schweinchen Hunde. In "Ein richtiger Rotzlöffel" versucht es beim Kinderhüten mit seinem Schützling (einem Säugling namens Butch mit mörderischen Tendenzen) vernünftig zu reden. Der Versuch schlägt fehl, aber nicht aufgrund mangelnder Beharrlichkeit seitens des Schweinchens.
Zu seinem eigentlichen Stil fand das kleine Schwein aber erst in Bob Clampetts surrealem (und ausgezeichnetem) Film "Schweinchen Dick im Irrenland", in dem Schweinchen Dick in einem urkomischen und atemberaubend verrückten Land (und Trickfilm) als unbedarftes Pendant zu den Zuschauern fungiert. Schweinchen Dick eignet sich ideal für eine derartige Reise, weil es so reagiert, wie wir reagieren würden - bzw. wie wir wünschten, dass wir reagieren würden.
Tatsächlich hatte Schweinchen Dick in der Rolle des Normalbürgers so viel Erfolg, dass sich dies auf einen anderen Star von Warner Bros. abfärbte, dessen Popularität bald die des Schweinchens übertreffen sollte. In "Schweinchen Dick auf Entenjagd" stiehlt ihm Daffy Duck vom ersten Moment an die Show (und die Zuschauer). Und in ihren gemeinsamen Auftritten kontrastieren sich Schweinchen Dick und Daffy ideal, denn Daffy nutzt die bedächtige und ernste Art von Schweinchen Dick auf penetrante Weise maßlos aus.
Nun soll niemand denken, dass Schweinchen Dick nur ein langweiliger Spießer ist. Schließlich wurde seine Persönlichkeit nicht nur in passiven Rollen eingesetzt. Unter der genialen Federführung von Chuck Jones wurde Schweinchen Dick in "Duck Dodgers im 24. Jahrhundert", "Tröpfchen für Tröpfchen", "Robin Hood Daffy" und Elementar, sagen Sie zum griechischen Chor, der Daffys Schwindeleien kommentiert, und in den "Charlie Dog"-Filmen wurde er zum hitzigen, widerborstigen Herrchen. Immer ist Daffy dabei der Befehlshaber, während Schweinchen Dick den pflichtbewussten (aber wesentlich intelligenteren) Assistenten abgibt.
In einer Reihe von Trickfilmen stellte Jones Schweinchen Dick auch Sylvester (als treues Haustier) zur Seite. Schweinchen Dick ahnt hier nichts von der Bedrohung, die von Feinden ausgeht, die nur sein Kätzchen Sylvester sieht. Schweinchen Dick empfindet Sylvesters Bemühungen, ihn zu beschützen, selbst als Bedrohung. In Kurs auf Jupiter zelten die beiden in der Wüste, wo eine fliegende Untertasse landet, und in Katzen in Gefahr werden Sie in einem Geisterhotel von blutrünstigen Mäusen terrorisiert.
Letztlich ist es jedoch Schweinchen Dicks liebenswertes Wesen und seine scheue Naivität, die diese gutgläubige Trickfigur ausmachen, deren bekannter Spruch "Das war's Leute!" ebenso sehr zum Kultsymbol geworden ist wie die Trickfilme selbst.
